Als Bergfreunde und Bergsteiger wissen wir nur zu gut, wie sehr sich das Klima verändert hat, vor allem im Winter. Unberechenbare Temperaturen und Niederschläge machen die Bedingungen immer unvorhersehbarer und vermischen die Jahreszeiten und die Aktivitäten, die man ausüben kann.
Mit Blick auf die Welt der Bergausrüstung und -bekleidung stellt sich die Frage: Wie reagieren die Hersteller darauf?
Dies ist eines der interessantesten Themen, die auf der jüngsten Messe Prowinter 2026 in Bozen zur Sprache kamen und das wir zwei Protagonisten der Veranstaltung vorgelegt haben: Geraldine Coccagna, Brand Managerin von Prowinter, und Fabio Deon, Präsident der Prowinter Awards in der Kategorie Outdoor.
Fabio Deon, Vorsitzender der Outdoor-Jury des Prowinter Awardi

Guten Morgen, Fabio. Als Designer und somit als „Insider“ – wie wirkt sich die Variabilität der Winter auf die Entwicklung von Produkten für den Bergsport aus?
Die Winter sind heute nicht mehr vorhersehbar, was dazu führt, dass das Design weniger dogmatisch sein muss. Man entwirft nicht mehr für ideale Bedingungen, sondern für das Unvorhergesehene. Für mich ist das fast eine intime Angelegenheit: zu entwerfen und dabei daran zu denken, wann das Produkt helfen muss, ohne Aufsehen zu erregen. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, etwas Technischeres zu schaffen, sondern etwas, das auch dann noch funktioniert, wenn sich alles ändert.
Prowinter Award: Was wollten Sie dieses Jahr auszeichnen?
Mit dem Prowinter Award haben wir Projekte ausgezeichnet, die eher beständig als beeindruckend sind. In einer Branche, in der oft viel Wert auf Innovation gelegt wird, haben wir uns diejenigen angesehen, die den Mut hatten, Dinge wegzulassen, zu vereinfachen und Entscheidungen verständlich zu machen. Der rote Faden war die Ehrlichkeit im Design: Produkte, die für eine lange Lebensdauer konzipiert sind und nicht nur für eine Saison.
Wie wichtig sind Geschäfte und Medien als „Interpreten”, um dem Endkunden das Produkt zu erklären und ihn zum richtigen Kauf zu führen?
Viele Produkte sind heute gut, aber nur wenige werden wirklich gut erklärt. Hier spielen Geschäfte und Medien eine sensible Rolle: Sie sollen nicht überzeugen, sondern begleiten. Sie sollen den Menschen helfen zu verstehen, was sie wählen und warum. Wenn die Erklärung kompetent und aufrichtig ist, wird auch die Funktion klarer. Und in diesem Moment entsteht Vertrauen, nicht nur Konsum.

Geraldine Coccagna, Brand Manager in Prowinter

Guten Morgen, Geraldine. Die Geschäfte gehören zu den ersten, die unter den „verrückten” Jahreszeiten leiden, und suchen auch in der Beziehung zu den Unternehmen nach Pragmatismus und Konkretheit. Wie kann eine Messe wie die Prowinter dabei helfen?
In einem Szenario klimatischer Unsicherheit kann die Prowinter eine wertvolle Unterstützung für Fachgeschäfte sein: Sie fördert nicht nur das Networking, sondern spielt auch eine informative und strategische Rolle. Dank der Daten des Prowinter Lab entspricht die Messe dem starken Bedarf an neuen strukturierten und kontinuierlichen Kompetenzen und wird so zum natürlichen Ort, an dem diese Weiterbildung stattfindet. Prowinter bietet somit konkrete Unterstützung, um den Akteuren zu helfen, die Herausforderungen des Marktes und die Instabilität der Jahreszeiten bewusst anzugehen.
Die neue Prowinter stellt die alten Formeln der Vergangenheit in Frage, angefangen bei der ISPO. Kann man sagen, dass dies der Triumph des „Glokalen” ist, also des Lokalen, das in der Lage ist, global zu denken?
Ja, die Prowinter verkörpert voll und ganz ein „glokales” Modell, indem sie territoriale Wurzeln und eine europäische Vision vereint. Es zielt darauf ab, zu wachsen, indem es sich auf Ski und Outdoor konzentriert, hochwertige Beziehungen zwischen den Akteuren fördert und Produkte, Menschen und Dialog in den Mittelpunkt stellt. Die Messe zeichnet sich durch konkrete Effizienz und ihre strategische Lage in den Alpen aus: eine Brücke zwischen Nord- und Südeuropa, die die exklusive Möglichkeit bietet, Produkte im Schnee zu testen und Networking und Tests in einem einzigen authentischen Kontext zu verbinden.
Wenn es darum geht, dem Verbraucher bei der Auswahl des richtigen Produkts für seine Bedürfnisse zu helfen, spielen neben Geschäften und Unternehmen auch die Medien eine Rolle. Worauf sollten sich Plattformen wie unsere konzentrieren?
Die Medien spielen eine immer wichtigere Rolle bei den Entscheidungen der Wintersportler, da sie Informationen, Wahrnehmung und Vertrauen beeinflussen und so den endgültigen Kauf lenken. Um das Vertrauen zu bewahren, ist es jedoch unerlässlich, dass sie neutral und frei von jeglichen Zwängen durch enge Sponsoring-Beziehungen sind. Die Gewährleistung von Transparenz und Glaubwürdigkeit wird somit zur eigentlichen Herausforderung, wobei ein notwendiges Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Nachhaltigkeit und redaktioneller Unabhängigkeit gefunden werden muss.
Die Worte von Fabio und Geraldine bestätigen eine wichtige Notwendigkeit: Produkte ehrlich und transparent zu beschreiben, um dem Sportbegeisterten zu helfen, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Vor allem in Zeiten klimatischer Unsicherheit, wie wir sie derzeit erleben.
Wir von Mountainreview setzen uns mit ganzer Kraft dafür ein, zusammen mit wertvollen Veranstaltungen wie der Prowinter.














